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Im September war es endlich soweit und wir konnten mit den ersten Veranstaltungen der Reihe „ Memoria Viva. Lateinamerika im Aufbruch “ beginnen.
Am 10. September fand bundesweit der Tag des offenen Denkmals unter dem Motto „Talent. Monument“ statt. Dieser jährte sich zum 30. Mal und wir waren mit unserer Bibliothek – der seit 2015 unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Trauerhalle Havkenscheid – zum ersten Mal vertreten.
Bei traumhaftem Wetter öffnete die Fritz Bauer Bibliothek um 10 Uhr die Türen für den diesjährigen Tag des offenen Denkmals. Los ging es um 10 Uhr mit einer kurzen Führung über die Baustelle, gefolgt von einem Vortrag von Arne Keilmann, Sozialwissenschaftler mit dem Forschungsschwerpunkt Architekturgeschichte der NS-Zeit und der frühen BRD. Darüber hinaus ist er ein Enkel des Architekten Ferdinand Keilmann, nach dessen Entwurf die ehemalige Trauerhalle Havkenscheid gebaut wurde. Ferdinand Keilmann trat 1932 in die NSDAP ein, durchlief nach 1945 zweimal das Entnazifizierungsverfahren und spielte eine große Rolle im Wiederaufbau der Stadt Bochum. In seinem Vortrag bot Arne Keilmann eine spannende Mischung aus Fachwissen und persönlichen Einblicken, die er anhand vieler Bilder und Dokumenten verdeutlichte.
Am Nachmittag stand Arne Keilmann, gemeinsam mit Irmtrud Wojak, für weitere Fragen und Gespräche bereit. In einem großen Besucher*innenkreis berichtete er weiter von seiner Forschung und ordnete die Karriere seines Großvaters kritisch ein. Es fanden auch zwei weitere Führungen durch die Bibliothek und über die Baustelle statt.

Die Fritz Bauer Bibliothek kurz nach der Fertigstellung © FRITZ BAUER FORUM | BUXUS STIFTUNG, Fotograf: Richard Lensit
Am Vorabend des 50. Jahrestages des Militärputsches in Chile am 11. September 1973 sprachen erstmals Überlebende, die in Bochum Asyl fanden, über ihre persönlichen Erfahrungen dieses Tages. Sie alle eint ihre Zeugenschaft des brutalen Militärputsches die zum Sturz der Regierung Salvador Allendes führte und die Chile für viele Jahre hinweg dramatisch verändern sollte.
Insgesamt fünf Überlebende erzählten vor einem gespannten Publikum wie sie den Tag aus ihrer ganz persönlichen Perspektive, wahrnahmen. Darunter Pedro Crovetto, der damals Mitglied der kommunistischen Jugend war und erst 10 Tage vor dem Putsch wieder nach Chile kam. Annamaria Díaz, die den Tag voller Sorge im Hinblick auf die Zukunft ihrer erst zwei Monate alten Tochter betrachtete und dennoch Freunde und Genoss*innen am Tag des Putsches mit Neuigkeiten versorgte. Iván Saldiáz, Mitglied einer linken revolutionären Gruppe, dessen bewegender Brief von Cornelia Baumgart vorgetragen wurde. Mario Aguilar, der am Tag des Putsches Schüler war und von dem demokratischen Widerstand an seiner Schule erzählte sowie Carlos Gonzales, der, wie viele andere verfassungstreue Mitarbeiter*innen des Militärs, noch vor dem eigentlichen Putsch festgenommen wurde. Für uns war es ein bewegender Abend, der uns mit Bewunderung für den Mut der Überlebenden zurückließ. An dieser Stelle wollen wir nochmals den Überlebenden dafür danken, dass sie ihre Geschichten mit uns geteilt haben.
Für Alle die, die an der Veranstaltung nicht teilnehmen konnten, die Geschichten finden Sie und ihr in den kommenden Wochen auf unserem YouTube-Kanal .
Am 13. September kam der in Berlin lebende Autor und Journalist Günther Wessel ins Fritz Bauer Forum und stellte sein neues Buch „ Salvador Allende. Eine chilenische Geschichte“ vor vielen interessierten Zuhörer*innen vor. In einem spannenden Gespräch berichtete er von der politischen Laufbahn Salvador Allendes und der aktuellen Situation in Chile. Nach einer kleinen Stärkung für die angemeldeten Lesungs-Teilnehmer*innen wurde in der Fritz Bauer Bibliothek der Film „Allende, mi Abuelo Allende“ der Regisseurin Marcia Tambutti Allende gezeigt. Die Enkelin Salvador Allendes begibt sich in dem Film auf Spurensuche innerhalb ihrer eigenen Familie und lernt die Vergangenheit anhand von Fotografien und Gesprächen auf ganze neue Weise kennen.
Veranstaltungsreihe „Memoria Viva. Lateinamerika im Aufbruch“ in Kooperation mit Amnesty International Bochum
17. Oktober, 18.30 – 20.30 Uhr: Chile: Buchvorstellung und Gespräch
24. Oktober, 18.30 – 20.30 Uhr: Kolumbien: Buchvorstellung und Gespräch
26. Oktober, 17.30 – 22.00 Uhr: Kolumbien: Workshop und Film
Alle Termine der Reihe hier .