Fritz Bauer Briefmarke erschienen

Inhaltsverzeichnis

Autor/Autorin

Portrait
PD Dr. Irmtrud Wojak
Geschäftsführerin

Fritz Bauer Briefmarke erschienen

Vor einigen Jahren bereits setzte sich der viel zu früh verstorbene Generalstaatsanwalt des Landes Brandenburg, Prof. Dr. Erardo Rautenberg, für das Erscheinen einer Briefmarke zum Gedenken an den Juristen und Anwalt der Menschenrechte Dr. Fritz Bauer ein. Der Jurist stieß mit seinem Anliegen zunächst auf Ablehnung. Doch im vergangenen Jahr Erardo Rautenberg hat davon noch erfahren fand sein Anliegen Gehör und die Fritz Bauer Briefmarke ist ab dem heutigen 2. November 2019 im Handel.

Wie es heißt, sei die Auflage der Briefmarke im Wert von 2,70 Euro für Großbriefe hoch, was darüber hinwegtröstet, dass es keine 80 CentMarke geworden ist, die doch wohl mehr Menschen in die Hand nehmen würden.

Jedenfalls ist die Marke, die der Kölner Designer Detlef Behr entworfen hat, in ihrer Klarheit mehr als gelungen. Dazu trägt das Porträt des Münchner Fotografen Stefan Moses (1928-2018) bei, der seinerzeit mehrere Porträtfotografien von Fritz Bauer in dessen Büro in der Frankfurter Generalstaatsanwalt machte. Es sind die wohl bekanntesten Bilder von dem bedeutenden Juristen, der durch die Briefmarke eine staatliche Ehrung für sein Bemühen erfährt, die ihm Zeit seines Lebens nicht vergönnt war.

Dr. Fritz Bauer kann sich allerdings in der damaligen Zeit auch kaum nach einer solchen Auszeichnung gesehnt haben. Schließlich musste er damit leben und ständig dagegen ankämpfen, dass sein Bemühen um historische Wahrheit und juristische Ahndung der Nazi-Verbrechen am Unwillen der keineswegs entnazifizierten Justiz und einer Politik abprallte, die an oberster Stelle um Wählerstimmen buhlte und die Vergangenheit so schnell wie möglich hinter sich lassen wollte.

Umso treffender ist das für die Briefmarke ausgewählte Zitat von Fritz Bauer: „Nichts gehört der Vergangenheit an, alles ist noch Gegenwart und kann wieder Zukunft werden“.

Gerade in der aktuellen Situation, da das „Unbehagen“ (Aleida Assmann) und die Fragezeichen an der viel zitierten Erfolgsgeschichte der nationalen deutschen Erinnerungskultur wachsen, ist dieses Zitat gut gewählt. Es verdeutlicht das Anliegen des Juristen Fritz Bauer, sich nicht mit dem bloßen Erinnern an die Verbrechen der Nazis und die unzähligen Opfer zufrieden zu geben, sondern stets und ständig wachsam und Streiter_innen für die Wahrung unserer Demokratie zu sein.

Fritz Bauer war ein Widerstandskämpfer und Überlebender, der sich den „Kampf um des Menschen Rechte“ (so der Titel seines einzigen autobiographischen Aufsatzes) aufgrund genügend bitterer Erfahrungen zu eigen gemacht hat. Als Sozialdemokraten warfen die Nazis ihn 1933 sofort ins Konzentrationslager und verfolgten ihn aufgrund ihrer rassistischen „Gesetzgebung“, gegen die zu kämpfen Bauer später als Recht und Pflicht jedes und jeder Deutschen bezeichnet hat. „Ihr hättet Nein sagen müssen“, war seine Schlussfolgerung und das Pensum, das er nicht nur seinen Zeitgenoss_innen mit auf den Weg gegeben hat.

Fünfzig Jahre nach seinem unaufgeklärten Tod ist das Anliegen des Juristen und Menschenfreundes eine ebenso große Herausforderung wie damals, als er sie uns ins Geschichtsbuch geschrieben hat. Nichts gehört der Vergangenheit an…