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Begleitet von einem Grußwort des Deutschen Botschafters Steffen Seibert
Der nach zwei Juristen und Überlebenden des Holocaust benannte Fritz Bauer & Raphael Lemkin Menschenrechte Filmpreis ist in der Kategorie Langfilm mit 10.000 Euro dotiert. Er wurde von der BUXUS STIFTUNG gestiftet, Trägerin des Bochumer Fritz Bauer Forums. Die Stiftung setzt sich für die Stärkung von Demokratie und Menschenrechten ein. Zur Filmpreis-Jury gehören: Prof. Sung Hyung Cho (Filmemacherin und Professorin für Künstlerischen Film),Tomas Bastian (Sounddesigner und Mischtonmeister), Maria Wolf (Schauspielerin), Franz Birkner (Filmemacher, Fotograf und Künstler).
In der Kategorie Langfilm verlieh die Jury des Festivals UNLIMITED HOPE unter der Leitung von Jakob Gatzka den Preis heute dem Film NO OTHER LAND. Die Urkunde verlas die Filmemacherin Sung Hyung Cho. Dr. Henry Wahlig, Programmleiter des Dortmunder Fußballmuseums, konnte den Preis heute leider nur symbolisch überreichen. Die Regisseure aus Israel und Palästina konnten aufgrund der zugespitzten Situation in ihrer Heimat, die den Film tauf erschütternde Weise bestätigt, nicht persönlich entgegennehmen.
Im Mittelpunkt von NO OTHER LAND steht der junge palästinensische Aktivist Basel Adra aus Masafer Yatta, einer Sammlung von kleinen Dörfern südlich von Hebron im Westjordanland. Die Häuser dort sollen einem israelischen Truppenübungsplatz weichen. Mit Bulldozern reißt die Armee darum Gebäude ab. Zusammen mit dem israelischen Journalisten Yuval Abraham und seiner Kollegin Rachel Szor sowie dem palästinensischen Fotografen Hamdan Ballal filmt Basel die Zerstörungen und den Protest der Dorfbewohner dagegen. NO OTHER LAND wurde mit dem Oscar als bester Dokumentarfilm 2025 ausgezeichnet.
Begleitet wurde die Preisverleihung von einem Grußwort des Deutschen Botschafters Israel, Steffen Seibert, und einem Grußwort des Regisseurs Yuval Abraham. Sein palästinensischer Freund Basel Adra sah sich außerstande, ein Video aufzunehmen.
Zitat der Jury:
„Als Jury des Fritz Bauer & Raphael Lemkin Menschenrechte Filmpreis sind wir zutiefst überzeugt sind: Kino darf nicht nur unterhalten. Es hat eine gesellschaftliche Aufgabe. Es muss dorthin schauen, wo andere wegsehen. Es muss Geschichten erzählen, die wahrhaftig sind – und gerade deshalb im Dunkeln gehalten werden. Es muss Wahrheiten suchen – und Hoffnung bewahren. Genau darum geht es in dem Film, den die Jury heute auszeichnet.
Dieser Film ist ein aufrüttelnder moralischer Appell, gerade auch an das deutsche Gewissen, das sich hartnäckig hinter dem Begriff der Staatsräson versteckt, um Ungerechtigkeit und Gewalt zu übersehen und damit die wahre Lehre aus dem Holocaust zu verraten: Menschenrechte für alle!
Abseits aller politischen und moralischen Dringlichkeit ist NO OTHER LAND auch filmisch ein Meisterwerk. Die präzise Montage, der Wechsel aus Spannung und Momenten der Stille, in denen wir das Gesehene verarbeiten können, die emotionale Tiefe und die Vielschichtigkeit der Erzählung aus Gegenwart und Vergangenheit, all das ist eine außergewöhnliche künstlerische Leistung.“
Der Fritz Bauer & Rapahel Lemkin Menschenrechte Filmpreis in der Kategorie Kurzfilm wurde dem Dokumentarfilm WALUD verliehen.
Der Film WALUD spielt im Jahr 2014. Amuna und ihr Ehemann Aziz, ein IS-Kämpfer, leben als Hirten in der ländlichen syrischen Wüste. Als er eine IS-Konvertitin zu seiner zweiten Frau nimmt, gerät ihrer aller Leben in Aufruhr. Zuletzt verhilft Amuna der jungen Europäerin zur Flucht in den Westen.
Der Kurzfilmpreis des Menschenrechte Filmfestivals ist mit 3.000 Euro dotiert. Die Laudatio für den Film WALUD verlas die Bochumer Schauspielerin Maria Wolf, überreicht wurde er von Tomas Bastian als Mitglied der Jury.
Zitat der Jury:
„Dem Regieteam gelingt es, mit leichter Hand die Schwere der Situation zu veranschaulichen, ohne zu erklären, ohne zu bewerten, ohne viele Worte zu machen.
WALUD erreicht so eine Form von Zeitlosigkeit, die den Film über das stets präsente aktuelle Geschehen hinaushebt und zeitenübergreifend gültig macht.“
Der Fritz Bauer & Rapahel Lemkin Menschenrechte Filmpreis in der Kategorie Sonderpreis wurde dem Dokumentarfilm WALUD verliehen und ist ebenfalls mit 3.000 Euro dotiert.
Zum hochaktuellen Inhalt: Können wir das schaffen? Oder müssen wir endlich im großen Stil abschieben? Während sich Deutschland mit diesen Fragen auseinandersetzt, die von zwei verschiedenen Bundeskanzlern zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten gestellt wurden, zieht die Festung Europa ihre Mauern hoch.
„Ist sich die deutsche Öffentlichkeit dessen bewusst?“ KEIN LAND FÜR NIEMAND nimmt uns mit auf eine Reise durch politisch turbulente Zeiten, vom Mittelmeer über das Europäische Parlament bis in deutsche Städte und Gemeinden. Aktivisten, Politiker und Wissenschaftler führen uns durch das politische, mediale und gesellschaftliche Labyrinth einer vielbeschworenen Krise. Doch worum genau geht es bei dieser Krise? Während der Kampf gegen die unerwünschte Migration weitergeht, kommen jeden Tag Flüchtlinge an, die von etwas getragen werden, das für viele im Land zu schwinden scheint: Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Deutschland steht an einem historischen Wendepunkt: Erstmals seit 1945 wird im Jahr 2025 ein migrationspolitischer Entschließungsantrag im Bundestag angenommen – mit Unterstützung der AfD, die vom Verfassungsschutz wegen rechtsextremer Bestrebungen beobachtet wird. KEIN LAND FÜR NIEMAND – ABSCHOTTUNG EINES EINWANDERUNGSLANDES begibt sich auf die Suche nach den Ursachen dieser politischen Zäsur und nimmt die Zuschauer*innen mit auf eine aufrüttelnde Reise.
Zitat der Jury:
Aber dieser Film bleibt nicht beim Leid stehen. Er zeigt auch: Hinter der großen politischen Zäsur steckt eine Entscheidung. Eine Entscheidung, die nicht unausweichlich ist, sondern gemacht wird
– von Politiker*innen, von Medien, von uns als Gesellschaft.
„Kein Land für Niemand“ ist deshalb mehr als ein Dokument über Flucht.
Es ist ein Spiegel für unsere Demokratie.
Es zeigt, wie leichtfertig wir das „Nie wieder“ zu einem „Nicht bei uns“ umdeuten. Und wie gefährlich es ist, wenn wir die Schwächsten der Gesellschaft zu Sündenböcken machen.
Doch der Film macht noch etwas: Er entlarvt den Widerspruch.
Wir reden von „Belastung“ und „Problem“.
Dabei wissen wir längst: Deutschland wird älter.
Wir brauchen Menschen, die kommen.
Wir brauchen neue Geschichten.