Während der Militärdiktatur unter Augusto Pinochet (1973-1989) blieben viele Haft- und Folterzentren im Verborgenen. Einige wurden zerstört, andere wurden erst Jahre später identifiziert. Von insgesamt 1.132 bekannten Orten sind heute lediglich 40 offiziell als Denkmäler geschützt – viele von ihnen in einem Zustand des Verfalls.
Warum verfallen viele Gedenkstätten, obwohl sie für das Gedächtnis des Landes von Bedeutung sind und als nationales Erbe geschützt wurden?
Der Vortrag geht dieser Frage nach, beleuchtet die Rolle der Erinnerungsorte für das kollektive Gedächtnis und zeigt die Fragilität ihrer Erhaltung – sowohl in physischer als auch psychischer Hinsicht. Anhand ausgewählter Beispiele wie dem „Estadio Nacional“, der „Villa Grimaldi“, „Isla Dawson“ und der „Colonia Dignidad“ werden Strategien und Schwierigkeiten der Bewahrung dieses besonderen architektonischen Erbes vorgestellt.
Der Blick auf Chile wirft zugleich Fragen für uns in Deutschland auf: Erinnerungskultur ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein fortwährender Prozess – auch hierzulande gilt es, die Auseinandersetzung mit Vergangenheit immer wieder neu zu verteidigen.
Nora Kersting, geboren 1997 ist in Bochum aufgewachsen. Im Rahmen eines Schüleraustauschs lebte sie mehrere Monate in Buenos Aires und setzte sich dort erstmals mit Südamerika auseinander. Sie studierte Architektur, zunächst an der msa in Münster und der ISCTE in Lissabon. Anschließend machte sie einen Zweifachen Masterabschluss an der TU Berlin sowie der Pontificia Universidad Católica in Santiago de Chile. Die Masterthesis und -Projekt, die sie dort mit Auszeichnung abschloss, widmet sich Fragen der Menschenrechte und Erinnerungskultur in Chile. Ihre Interessen und Arbeiten bewegen sich an der Schnittstelle von Raum, Erinnerungskultur und gesellschaftlicher Praxis.