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Nora Kersting
Buchvorstellung & Gespräch
Anstoß für das Buch war ein Straßenschild mit der Aufschrift „Villa Baviera“, das der Autorin Nora Kersting klarmachte: „Die Geschichte des Films Colonia Dignidad, von dem ich nicht glauben konnte, dass er auf wahren Begebenheiten beruhte, spielte in dem Land, in dem ich mich befand. Bei der anschließenden Recherche stellte ich fest, dass es keinen öffentlichen Gedenkort gibt und das Gelände weitgehend als touristischer Komplex genutzt wird. Diese Diskrepanz bildete den Ausgangspunkt.“
Nora Kersting setzte sich intensiv mit der Geschichte Chiles auseinander, insbesondere mit der Militärdiktatur unter Augusto Pinochet. Dabei wurden ihr die Unterschiede der chilenischen und deutschen Erinnerungskultur deutlich. Die chilenische ist weniger institutionell und stützt sich weniger auf eine klassische Musealisierung, sie ist umkämpft und fragmentiert.
Erinnerung ist eng mit aktuellen politischen und sozialen Konflikten verbunden. Damit ist Chile Teil des globalen Kontexts, in dem autoritäre und geschichtsrelativierende Tendenzen an Einfluss gewinnen. Nachdem die letzte Regierung Präsident Borics einige Erfolge in der Erinnerungsarbeit verzeichnet, vertritt der im März 2026 gewählte Präsident José Antonio Kast geschichtsrevisionistische Positionen. Sein Erfolg zeigt, wie fragil das „Nunca más“ ist, wenn die Erinnerung an die Vergangenheit unter Druck gerät. In diesem spannungsgeladenen Klima ist die Aufarbeitung zu einem Wettlauf gegen die Zeit geworden. Da die Zeitzeug*innen altern, rückt die Architektur als permanente Zeugin in den Fokus.
Einlass ab 17:30 Uhr
Begrüßung: Dr. habil. Irmtrud Wojak (Leiterin des Fritz Bauer Forums)
Grußwort: Bodo Ramelow (Vizepräsident des Deutschen Bundestags)
Keynote: Nora Kersting M.A. (Autorin)
Kommentar: Prof. Dr. Jens-Christian Wagner (Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora/ online zugeschaltet)
Anschließend Diskussion
Moderation: Irmtrud Wojak
Nora Kersting, M.A. wuchs in Bochum auf, studierte in Münster und Lissabon, lernte bereits als Schülerin Lateinamerika kennen. 2023/24 schloss sie ihr Masterstudium an der Universidad Pontificia Católica in Santiago de Chile ab. Jetzt lebt sie in Berlin und arbeitet in einem Architekturbüro.
Bodo Ramelow ist seit 1990 in Ostdeutschland politisch aktiv und war zuvor Gewerkschaftssekretär in Mittelhessen.Von 2014 bis 2024 war er Ministerpräsident in Thüringen, seit März 2025 ist er Vizepräsident des Deutschen Bundestags.
Jens-Christian Wagner, studierte Geschichte und Romanischen Philologie in Göttingen und Santiago/Chile. Nach der Promotion an der Universität Göttingen leitete er von 2001-2014 die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora (Nordhausen) sowie anschließend die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten und die Gedenkstätte Bergen-Belsen. Seit 2020 ist er Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora sowie Inhaber des Lehrstuhls für Geschichte in Medien und Öffentlichkeit an der Universität Jena. Forschungsschwerpunkte: Geschichte des Nationalsozialismus und seiner Folgen (insbesondere Konzentrationslager und Zwangsarbeit), Erinnerungskulturen nach 1945, Geschichtsrevisionismus.
Eine Veranstaltung des Fritz Bauer Forums.

Magdalena Köhler (M.A.)
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